Einleitung

"Das geheime Leben der Worte" (2005) ist ein englischsprachiger, doch spanischer Spielfilm der katalanischen Filmregisseurin und Drehbuchautorin Isabel Coixet. Das "leise entwickelte Drama um zwei traumatisierte Menschen, das auf vielschichtige Weise von Schuld, Verletzung und Liebe erzählt" (film-dienst), wurde mit bedeutsamen Auszeichnungen wie dem Lina Mangiacapre Award des Filmfestivals Venedig ausgezeichnet. Außerdem gewann es den Goya in den Kategorien Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch und Beste Produktion.

Handlung

Der Spielfilm handelt von einer Frau und einem Mann, deren physische und psychische Verletzungen sie letzten Endes zueinanderführen. Zu Beginn des Films lernt der Zuschauer Hanna, die weibliche Protagonistin, kennen, die seit nunmehr vier Jahren ohne Pause in einer Fabrik in Nordirland arbeitet. Stets gesund und pünktlich, wird sie von ihrem Chef in den Urlaub geschickt. Sie entschließt sich dazu, ihn nicht in der Sonne, sondern an der englischen Küste zu verbringen. Dort angekommen, schnappt sie schon bald ein Telefongespräch auf, in dem es um die Suche nach einer zuverlässigen Krankenschwester für einen schwer verletzten Mann geht. Hanna, deren Schüchternheit sie in die Einsamkeit getrieben hat, meldet sich daraufhin als Freiwillige.

Josef, bei dem es sich um den männlichen Protagonisten des Films handelt, ist bei einer Explosion, die sich auf einer Bohrinsel nahe der englischen Nordseeküste abgespielt hat, verunglückt. Im Gegensatz zu Hannas psychischen Verletzungen sind seine Verletzungen physischer Natur. Er hat sich schwere Verbrennungen und Knochenbrüche zugezogen; außerdem ist er vorübergehend erblindet. Je angestrengter er versucht, Hanna, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, ihn gesund zu pflegen, näher kennenzulernen, desto mehr ist sie darauf bedacht, ihr Innenleben vor ihm zu verschließen. Dafür erfährt sie umso mehr über ihn, so beispielsweise von seiner immensen Angst vor dem Wasser - eine Angst, die auf die bislang von ihm geheimgehaltene Tatsache zurückgeht, dass er nicht schwimmen kann.

Weil die Bohrinsel nach dem verhängnisvollen Unfall ihren Betrieb einstellen musste, haben die Arbeiter nichts zu tun und vertreiben sich inmitten der Einsamkeit auf dem Meer die Zeit. Dimitri, bei dem es sich um den Chef der Crew handelt, berichtet Hanna, wie es zu der Explosion auf der Bohrinsel kam, in deren Verlauf Josef seinen besten Freund nicht etwa durch ein Unglück, sondern durch dessen Selbstmordabsicht verlor. Josef, der versuchte, ihn zu retten, war unfähig, zu handeln, als sein Freund sich vor seinen Augen in die Flammen stürzte. Josef verspürt große Schuld, die nicht zuletzt auch damit zu tun hat, dass er seinen besten Freund mit dessen Ehefrau betrogen und es ihm später gebeichtet hat.

Hannas Vertrauen zu Josef wächst. Sie weiht ihn in ihre Vergangenheit ein, kurz bevor die Wege der beiden sich trennen - Josef soll in ein Krankenhaus auf dem Festland gebracht werden, während Hanna nach Nordirland zurückkehren möchte. Es stellt sich heraus, dass Hanna ein Kriegsflüchtling ist, der die Qualen des Bosnienkriegs am eigenen Leib erleben musste und in dessen Verlauf brutal von Soldaten vergewaltigt und misshandelt wurde. Zudem musste sie mitansehen, wie eine Freundin aus der Schwesternschule ermordet wurde. So wie Hanna der erste Mensch ist, dem Josef von seiner Angst vor Wasser berichtet, ist es nun er, der als erster Mann von Hannas traumatischen Erlebnissen erfährt - Erlebnisse, die schwer auf der jungen Frau lasten.

Der Krankenhausaufenthalt auf dem Festland führt zu Josefs vollständiger Genesung. Schließlich kehrt auch sein Augenlicht zurück. Vor seiner Entlassung bekommt er Hannas Rucksack ausgehändigt, der fälschlicherweise für den seinen gehalten wurde. Daraufhin macht er sich auf die Suche nach Hanna, die er aufgrund seiner Erblindung nie zu Gesicht bekommen hat. Schließlich finden die beiden zueinander und beginnen gemeinsam ein neues Leben, in dem sie sich ihm öffnen und er seine Angst vor dem Schwimmen ablegen kann.

Fazit

Das geheime Leben der Worte ist ein trauriges, sehr intensives Drama um Liebe und Leid zweier unterschiedlicher Charaktere. Dabei stehen häufig traurige Sprüche im Mittelpunkt der Protagonisten. Zugleich ist der Film ein tiefsinniger Beitrag zur Kommunikationsfähigkeit von Menschen und regt an vielen Stellen zum Nachdenken an.